Im Matthäusevangelium spielt «Barmherzigkeit» eine wichtige Rolle, und zwar sowohl als Eigenschaft Gottes als auch als Erwartung an die Menschen. Zweimal zitiert das Evangelium den Propheten Hosea: «Barmherzigkeit will ich, und nicht Opfer». Gleichzeitig kündet das Evangelium jenen, die Barmherzigkeit erfahren haben, selbst aber unbarmherzig handeln, Strafe und Gericht an. Der Gott des Matthäusevangeliums ist gütig, aber nicht harmlos.
Der Vortrag von Daniel Kosch geht der Frage nach, wie diese Spannung und die Bilder vom «Heulen und Zähneklappern in der äussersten Finsternis» zu verstehen sind und fragt nach ihrer Bedeutung für den christlichen Glauben in einer Zeit, in der viele Menschen ein zugleich freundliches und eher diffuses Gottesbild haben, dem die Vorstellung von Gott als Richter über die rechenschaftspflichtigen Menschen sehr fremd geworden ist.