Kontextuelle, bildunterstützte Bibelauslegung im Gottesdienst
Homophobie, Antijudaismus oder Neokolonialismus sind mögliche Fallen für Seelsorgende bei der Auslegung biblischer Texte. Das Projekt will zu einer best practice bei der Auslegung von Sonntagslesungen aus dem Ersten Testament beitragen. Wie kann ich mit der Spannung zwischen den Kontexten der BIBEL (Text), der KIRCHE (Gemeinde) und der WELT (Gesellschaft) sinnvoll umgehen? Das Projekt bietet auch Zugang zu neuen visuellen Hilfsmitteln.

Bildnachweis: Thomas Staubli, Projekt BKW, Universität Freiburg, Schweiz
Kontextuelle Bibelauslegung
Die Bibelauslegungen orientieren sich am Lektüredreieck der lateinamerikanischen Basisgruppen, das auf eine kontextuelle Auslegung abzielt. Demzufolge passiert die Arbeit der Lektüre im Spannungsfeld von «Bibel», «Kirche» und «Welt». Jeder der drei Pole ist zum andern hin offen. Durch die kirchliche Leseordnung ist der Text vorgegeben. Oft wird eine andere Abgrenzung der Perikope vorgeschlagen, manchmal auch eine alternative Lesung, insbesondere, wenn die Leseordnung, wie in der Osterzeit, keine ersttestamentliche Lesung anbietet.
Bibel (Text)
Wann und wo ist der Text entstanden? Welches ist sein Sitz im Leben? In welchem Bezug steht der Text zu seiner Umwelt? Was bedeuten einzelne Motive, Aussagen und Begriffe? Welches ist der Ort des Textes innerhalb der Bibel?
Kirche (Kontext)
Welches ist die Beziehung der Lesung zum Kirchenjahr und zu den übrigen Lesungen des Gottesdienstes? Welche Wirkungsgeschichte hatte der biblische Text? Welche Themen des konziliaren Prozesses für Gerechtigkeit, Friede und Bewahrung der Schöpfung unterstützt er?
Welt (Prätext)
Auf welche Zeichen der Zeit macht die Lesung aufmerksam oder: wie liest uns/mich die Bibel? Welche heutigen Entwicklungen oder Phänomene stellen den Text in Frage oder stehen zu ihm in Spannung? Welche wirtschaftlichen, politischen oder ideologischen Situationen verdunkeln oder erhellen das Thema der Lesung?
Dieses Projekt ist gefördert durch den Schweizerischen Nationalfonds (SNF) im Auftrag des Bundes Schweizer Forschende. Das Schweizerische Katholische Bibelwerk unterstützt das Anliegen des Projekts und ist als Kommunikationspartner Teil des Projekts.
