Zyperns vergessene Welten

Die aktuelle Ausgabe von „Welt und Umwelt der Bibel“ (2/2025)

Zürich, 26.05.2025 – Das aktuelle Heft von „Welt und Umwelt der Bibel“ lädt zu einer Reise nach Zypern ein. Die Insel erzählt von alten Kulturen, von Pilgern und Kaufleuten, von heiligen Orten und nahezu vergessenen Kultur.

Thomas Staubli führt uns durch die lange Geschichte Zyperns ab dem Jahr 11000 v.Chr. Er zeichnet eine Geschichte, die viele Jahrhunderte kaum von Feinden bedroht war, von intensiven Handelsbeziehungen (Kupfer) und weit angelegten Kulturkontakten. Erst die Ptolemäer, die Nachfahren Alexanders des Grossen, und die Römer besetzten und kolonisierten die Insel.
Zypern ist auch die Insel einer Göttin und wurde darum lange Zeit von Frauen geprägt. Erst unter griechischem Einfluss wird mit der Göttin der Aphroditekult geboren und damit das Bild der Göttin stark sexualisiert.

Michael Hölscher wendet sich in seinem Artikel dem Einfluss des Christentums zu. Barnabas, ein Begleiter des Paulus, ist ein weltgewandter Zypriot, der zwischen Jerusalem, Antiochia und seiner Heimat Zypern reist und so wesentlich dazu beiträgt, den christlichen Glauben in und um Zypern zu verbreiten. Einige Kirchen und Sakralbauten erinnern auf Zypern an sein Wirken. Hölscher weist zudem auf verschiedene Textüberlieferungen und Legenden hin, die sich um die Person des Barnabas ranken.

Judith Göppinger weist auf die die starke jüdische Präsenz in der Antike seit dem 3. Jh. hin. Als später König Herodes d. Gr. von Kaiser Augustus einige Kupferminen auf Zypern erhält, siedeln sich vermehrt Juden auf Zypern an. Von Barnabas ist überliefert, dass er sich oft in Synagogen aufhielt, um zu predigen. Möglicherweise beendet der Diaspora-Aufstand jüdischer Gemeinden 115/116 n.Chr. die starke Präsenz der Juden auf Zypern.

Paula Schöttke und Manuel Krumbiegel verweisen auf die Verbindungen zwischen Aphroditekult und Christentum, der auch drei Jahrhunderte nach der Ausbreitung des Christentums präsent war. Die Verehrung von (Mutter-)Göttinnen beeinflusste auf Zypern wohl auch christliche Marienvorstellungen.

Andreas Müller, Georg Röwekamp und Chrysovalantis Kyriakou begeben sich auf die Spuren grosser Heiliger auf Zypern. Der Apostel Andreas wird vor allem als Wasserspender verehrt und steht in Verbindung mit der byzantinischen Kultur. Hilarion von Gaza im 4. Jh. wird vor allem mit der Verbreitung des Mönchtums im Heiligen Land in Verbindung gebracht. Er verbrachte jedoch auch einige Jahre auf Zypern. Epiphanius von Salamis wurde als streitbarerer Bischof bekannt, der sich besonders für das Nizäische Glaubensbekenntnis einsetzte. Schliesslich ist es im 12. Jh. der Inkluse Neophytos, der sich kritisch mit der gewalttätigen Eroberung Zyperns durch Richard Löwenherz 1191 und später durch Sultan Saladin auseinandersetzte.

Georg Deligiannakis schliesslich stellt in seinem Beitrag einige der zahlreichen Kirchenbauten auf Zypern vor. Eine Besonderheit byzantinischer Kirchenkunst sind die sogenannten „Scheunendachkirchen“ am Troodos-Gebirge, denen sich Andreas Müller widmet.

Ein Interview mit Thorsten Kruse rundet das Heft ab. Er berichtet über politische Entwicklungen, besonders über die Teilung der Insel in den nördlichen türkischen und den südlichen griechischen Teil, welche die Insel stark prägt.

Die Lektüre dieses neuesten Heftes von „Welt und Umwelt der Bibel“ macht Lust auf mehr und Meer, nämlich selbst die Insel zu bereisen und näher kennenzulernen.

Bernd Ruhe

Zyperns vergessene Welten

CHF 21.50

Welt und Umwelt der Bibel 2/2025