Antisemitismus

Zeitschrift «Bibel heute» greift ein aktuelles Thema auf – Medienmitteilung zum neusten Heft

Der Gott der Liebe ist keine Erfindung Jesu und kein Alleinstellungsmerkmal des Christentums. Tatsächlich besteht die christliche Bibel zu mehr als zwei Dritteln aus jüdischen Texten. Dennoch sind judenfeindliche Auslegungen und antisemitische Tendenzen in christlicher Theologie, kirchlicher Praxis und Gesellschaft bis heute verbreitet, nehmen sogar zu. Die aktuelle Ausgabe von Bibel heute (Nr. 242) bezieht eindeutig Position: Eine judentumssensible Theologie und Gemeindepraxis ist nicht nur Pflicht, sondern biblisch gut begründet.

Die statistischen Daten sind erschütternd: weltweit, aber auch in der Schweiz sind antisemitische Ansichten wieder auf dem Vormarsch, ebenso Übergriffe auf jüdische Menschen. Der Anteil von Christinnen und Christen daran ist nicht zu unterschätzen: Bis heute prägen latent oder offensichtlich judenfeindliche Aussagen grosse Teile christlicher Bibelauslegung und Theologie. Wie kann dem argumentativ begegnet werden? Wie können christliche Gemeinden antisemitischen Tendenzen entgegenwirken? Klare Antworten und verständliche Argumentationshilfen formuliert die aktuelle Ausgabe von Bibel heute (Nr. 242) zum Thema Antisemitismus.

Die leitende Redakteurin Bettina Wellmann betont: «Wir wollen befähigen, jüdische Perspektiven auf einen Bibeltext zu kennen und zu verstehen. Das ist wichtig, um in Predigt und Bibelarbeit zu widersprechen, wenn bei der Auslegung von Bibeltexten teils jahrhundertelange judenfeindliche Schwarzweißmalerei weitertransportiert wird».

Wie das gehen kann, zeigt Karoline Ritter in ihrem Beitrag am Beispiel des biblischen Sabbatgebots: Im zweiten Kapitel des Markusevangeliums diskutiert Jesus mit einer Gruppe Pharisäer die Frage, ob am Sabbat Ähren geerntet werden können. Für die christliche Aus-legung nimmt Jesus in diesem Streit vielfach die Rolle eines unkonventionellen Denkers der Freiheit ein, während die jüdischen Pharisäer die starrsinnige Befolgung des Gesetzes repräsentieren. Eigentlich ringen hier jedoch Jesus als jüdischer Rabbi und die Gruppe der Pharisäer gemeinsam um die Auslegung der Tora und des Sabbatgebots. Die Gemeinsamkeiten sind verblüffend: «Der berühmte Satz ‚Der Sabbat wurde für den Menschen gemacht, nicht der Mensch für den Sabbat‘ (Markus 2,27) findet sich entsprechend genauso in der rabbinischen Tradition», stellt Karolin Ritter fest.

Der an der Universität Fribourg/Schweiz tätige Bibelwissenschaftler Thomas Schumacher befasst sich mit dem Apostel Paulus und dem Johannesevangelium, deren Aussagen oft verwendet wurden, um die Überlegenheit des Christentums über das Judentum zu begründen. Er entwickelt «alternative Perspektiven». Und er stellt fest, dass erst die christliche Auslegungsgeschichte aus innerjüdischen Debatten eine Pauschalkritik am gesamten Judentum gemacht hat.

«Wir haben als Glaubensgeschwister die Verantwortung, Jüdinnen und Juden darin zu unterstützen, in Gesellschaft und Kirche sicher und sichtbar zu sein.» (Bettina Wellmann) Hilfreich sind hierfür Best-Practice-Beispiele zum Umgang mit antijüdischen Bildwerken in und an Kirchen zum Aktivwerden in der eigenen Gemeinde. Der Liturgiewissenschaftler Benedikt Kranemann untersucht ausgewählte liturgische Texte, beispielsweise die «Karfreitagsfürbitte für die Juden», und lädt zu einem aufmerksamen Weiterdenken ein.

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