ABRAHAM, SARA, HAGAR – MEHR ALS EINE FAMILIENSAGA
Die Erzählungen rund um Abraham, Sara und Hagar sind nicht nur Teil der christlichen Bibel, sondern prägen in erster Linie das Selbstverständnis des Judentums und spielen zudem im Islam eine zentrale Rolle. Zudem verhandeln sie Themen, welche die Menschheit zu allen Zeiten beschäftigt haben und beschäftigen: Wer bin ich? Zu wem gehöre ich? Woher komme ich und wohin gehe ich? Auf wen setze ich mein Vertrauen?
Die Erzählungen über Abraham, Sara und Hagar sind mehr als bloße Familiengeschichten in der Bibel. Mit ihnen deutet das Volk Israel seine Geschichte in der Rückschau. Entstanden in Krisenzeiten halten sie an positiven Zukunftsvisionen und dem Segen Gottes fest. Das Heft beschreibt den Erzählzyklus im ersten Buch der Bibel (Genesis 12-26) und greift einzelne Texte heraus: den Auftrag an Abraham, loszugehen und Vertrautes zu verlassen; die Darstellung Hagars als erste Theologin, die Gott einen Namen gibt und die Erzählung von Sara, der ein Sohn verheißen wird, die nicht einfach auf eine Geschichte über Kinderwunsch reduziert werden kann. Irmtraud Fischer, eine anerkannte Expertin für die Lektüre des Alten Testaments aus feministischer Perspektive zeigt deshalb auf, was eine gender-faire Deutung der Saraerzählung ausmacht. Und der Schweizer Theologe Thomas Markus Meier stellt Hagar als «erste Theologin in der Bibel» vor.
Als besonderes Bild aus der Kunst ist Rembrandts Darstellung eines Paares gewählt. Er bildet ab, was in der Bibel dreimal erzählt wird: die Preisgabe der Ehefrau und damit der Verheißung durch die Erzväter. Die Rolle Abrahams, Saras und Hagars für den interreligiösen Dialog beleuchten drei Mitglieder einer Jugendbewegung, die Menschen verschiedenen Glaubens zusammenbringen möchte. Der Praxisteil enthält Bild- und Textmaterial, um Abraham, Sara und Hagar mit ins eigene Leben zu nehmen.
Wie immer bietet auch diese Ausgabe von «Bibel heute» vielfältige Anregungen und Informationen für Religionsunterricht und Katechese, Predigt, Erwachsenenbildung oder die persönliche Auseinandersetzung mit biblischen Texten.
Daniel Kosch

