Synodale Kirche – Der Weg in die Zukunft
Seit dem Synodalen Weg in Deutschland und dem Weltweiten synodalen Prozess ist der Begriff «Synode» immer wieder im katholischen Umfeld zu lesen und zu hören. Die neuste Ausgabe von Bibel und Kirche geht auf die biblischen und geschichtlichen Ursprünge der Synode ein und eröffnet einen Blick auf eine gelebte synodale Kirche in der Gegenwart auf Grund dieser biblisch-historischen Wurzeln.
Thomas Söding geht der Bedeutung der «synodalen Kirche» nach und eröffnet so einen Blick für die Zukunft. Bereits die Bezeichnung «Weg» für die nachösterliche Jesus-Bewegung in Verbindung. Vom Wort her bedeutet «Synode», gemeinsam unterwegs zu sein, was bereits auf Agilität und Ausrichtung verweist. Das gemeinsame Unterwegssein ist biblisch begründet und im Zweiten Vatikanischen Konzil lehramtlich aufgenommen worden. Wer mit diesen Bildern und Begriffen ernst macht, muss sich fragen, wie Kirche heute gestaltet ist und was es an Veränderungen braucht, damit die «synodale Kirche» immer stärker sichtbar und realisiert wird.
So lohnt sich der Blick auf verschiedene Führungsvorstellungen im Alten Testament, wie sie Katharina Pyschny darlegt. Denn neben den grossen Führungsgestalten wie Mose und David werden auch geteilte Führungsaufgaben beschrieben. So soll Mose entlastet werden von der Alleinverantwortung und der damit verbundenen Überforderung. Neben der Entlastung findet so eine Profilschärfung und Kompetenzvertiefung statt. Noch weiter greift die Geistausgiessung Gottes über alle Lebewesen im Buch Joel. Denn so wird jedes Lebewesen in die Pflicht und Verantwortung genommen, ohne Einschränkungen.
Wie verträgt sich die Vollmacht des Petrus mit der Vollmacht der Gemeinde? Stefan Schreiber deutet zwei Erzählungen aus dem Matthäus-Evangelium. Die einmalige Bedeutung des Petrus wird betont, aber nicht als Beginn eines weiterzugebenden Amtes, sondern eher als Richtlinie für alle Gläubigen, die sich an der Bergpredigt messen lassen müssen. Die Gemeinde als Ganzes führt die Tradition des Petrus fort. Zudem zeigt die Apostelgeschichte, wie eine synodale Kirche organisiert bzw. strukturiert werden kann.
Einen Blick auf die Gemeinden, die Paulus angeschrieben hat, wirft Sabine Bieberstein. Neben der Taufe und der Charismen der Gläubigen stellt Paulus keine Gemeindeordnung vor. Gleichwohl zeigt sich in den Grusslisten der Briefe, wie Gemeinde vor Ort gestaltet wurde. Es bestand ein Austausch zwischen kleineren Gemeinschaften, wie sie gemeinsam in der Grussliste des Römerbriefes erwähnt werden. Verschiedene Formen von Gemeindeleitung werden angedeutet, ohne eine feste Struktur aufzuzeigen.
In den ersten Jahrhunderten der Kirche entwickeln sich Leitungsämter und werden Synoden abgehalten, wie Christian Hornung auf die Geschichte eingeht. Innerkirchliche Auseinandersetzungen sollten durch Synoden geklärt und beigelegt werden. An diesen Versammlungen sind zunächst nur Bischöfe beteiligt und es sollen einstimmige Entscheidungen getroffen werden. Die Themen sind eher disziplinarisch oder verwaltungstechnisch, so dass die Synoden eher einem Beratungs- und Entscheidungsinstrument werden. Spätestens seit Papst Franziskus sind synodale Prozesse im katholischen Milieu verstärkt durchgeführt worden. Das Forschungsprojekt «Making syndoality work» untersucht diese Prozesse und will das Lernen von Synodalität nachhaltig fördern, wie Luisa Eisele schreibt. Ausgehend von keiner explizit festgelegten Kirchenorganisation in den biblischen Schriften über Grundlagentexte des Zweiten Vatikanischen Konzils wird die synodale Praxis in Deutschland, Österreich und der Schweiz analysiert und in Verbindung gebracht mit der kirchlichen Kultur und der «Umwelt».
Jean-Pierre Sietzler, 27.11.2025

