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Im Anfang war das Wort – Von den Schriften zur (Heiligen) Schrift   

Bücher des Monats Mai und Reise-Angebote zu/mit diesen Büchern

«An keinem anderen Ort der Welt dürfte die Überlieferungsgeschichte der biblischen Texte so genau zu rekonstruieren sein wie in St. Gallen.» Mit diesem Zitat von Peter Ochsenbein setzt der hier besprochene Katalog  auf S. 9 vollmundig ein – und löst diesen Anspruch auf den folgenden 111 Seiten ein. Obwohl Katalog und Ausstellung nur «eine kleine Auswahl aus der Fülle von Bibelüberlieferungen in der Stiftsbibliothek» zeigen, ist diese Auswahl sehr beeindruckend: Sie zeigt Bibelhandschriften vom 5. bis zum 18. Jahrhundert und Bibeldrucke vom 15. bis zum 19. Jahrhundert. Sie zeigt darüber hinaus die frühe Beschäftigung mit der Bibelphilologie im 8. und 9. Jahrhhundert, die am häufigsten im Kloster St. Gallen verwendeten Bibeltexte, grossformatige und illustrierte Prachtexemplare, Bibelausgaben in anderen Sprachen als dem Latein und Bibelbearbeitungen und –kommentare aus dem Hoch- und Spätmittelalter. Schliesslich befragt sie den berühmten karolingischen Klosterplan nach «Orten der Bibel» und gibt differenzierte Antworten.  Kurzum: in den 12 Vitrinen der Ausstellung und auf den 120 Seiten des farbig illustrierten Kataloges gibt es für jede Leidenschaft an der Buch – und Bibelgeschichte viel zu sehen und zu entdecken. Meine persönlichen Highlights: die Alkuinbibel mit ihrer Grösse von 54x40cm und ihrem Gewicht von fast 20kg; der mit Goldtinte geschriebene Psalter, der für Repräsentationszwecke einer hochgestellten Persönlichkeit geschaffen wurde;  die Bilingen, d.h. zweisprachige Ausgaben der Psalmen, der Evangelien und der Paulusbriefe mit dem griechischen Text und einer lateinischen Interlinearversion bzw. der sogenannte «Althochdeutsche Tatian», eine Evangelienharmonie in lateinisch und althochdeutsch; die Bibel in der Sprache der Cree-Indianer, die erst um 1840 entwickelt wurde und die sich so schnell ausbreitete, dass gegen Ende des 19. Jahrhunderts die meisten Cree lesen und schreiben konnten, womit die Cree zu dieser Zeit weltweit eines der Völker mit der höchsten Alphabetisierungsrate gewesen sein dürften.
Eine bibelpastoral wichtige Entdeckung verdanke ich der Suche nach «Orten der Bibel» im karolingischen Klosterplan. Gemäss der Benediktsregel bekam jeder Mönch im Kloster zu Beginn der Fastenzeit ein Buch der Bibel zum persönlichen Studium ausgehändigt. Das würde ich gerne im Rahmen des Schweizerischen Katholischen Bibelwerks umsetzen, 73 Leserinnen und Leser für die biblischen Bücher suchen und während der kommenden Fastenzeit (oder schon früher?) zeitgleich lesen.
Der Katalog der Ausstellung ist eine Quelle solcher Funde. Ich freue mich sehr darauf, die Ausstellung selbst zu besuchen und lade alle Interessierten ein, das gemeinsam zu tun (siehe SKB unterwegs)

Peter Zürn


Im Anfang war das Wort. Die Bibel im Kloster St. Gallen. Katalog zur Jahresausstellung in der Stiftsbibliothek St. Gallen (2. Dezember 2012 bis 10. November 2013), Verlag am Klosterhof St. Gallen 2012, 120 S. ISBN978-3-905906-06-6, CHF 25.00. Zu bestellen unter: http://www.stibi.ch/site/content.asp?typ=Publikationen+Shop&lang=DE&art=bt

 

Von den Schriften zur Heiligen Schrift. Keilschrift, Hieroglyphen, Alphabete und Tora. Hrsg. von Hans Ulrich Steymans und Thomas Staubli, Bibel+Orient-Museum Freiburg (CH) 2012, 178 S. ISBN 978-3-940743-76-3, CHF 35, Euro 29. zu beziehen unter: http://www.bible-orient-museum.ch/index.php/de/shop

Natürlich könnte man sagen, es handelt sich hier um ein Buch mit Spezialwissen für einige wenige Spezialisten: über 30 Seiten handeln zum Beispiel von altorientalischen Texten in Keilschrift; Kapitel 5 erklärt hethitische und luwische Hieroglyphen. Natürlich kann es mitunter sein, dass man bei der Lektüre des Buches angesichts der Fülle manchmal verloren zu gehen droht: Allein das Kapitel über die Alphabete führt durch das ugaritische, das phönizische, das ammonitische, das punische, das althebräische, das griechische, das lateinische, das koptische, das aramäische, das palmyrenische, das mandäische, das nabatäische, das altsüdarabische, das altäthiopische, das altnordarabische und das hocharabische Alphabet. Aber zum einen kann man das Buch durchaus kursorisch und entlang den eigenen Interessen lesen und es als Nachschlagewerk verwenden und zum anderen  - und viel wichtiger – ist jedes einzelne Kapitel und Unterkapitel durch eine Fülle von Bildern und Diagrammen, durch Textauszüge und Übersetzungen und durch eine aufwändige graphische Gestaltung so anschaulich und lesefreundlich gestaltet, dass es die schiere Lust ist, von Seite zu Seite, von Keilschrift zu Hieroglyphe, von Alphabet zu Alphabet zu blättern. Schnell kommt man vom Wissenwollen zum Staunen und Entdecken. Als Leseempfehlung geben die Herausgeber denn auch mit auf den Weg: «Man kann zu lesen anfangen, wo immer ein Thema, eine Überschrift oder eine Abbildung das Auge fesselt. Jeder Beitrag ist in sich verständlich. Allerdings empfiehlt es sich, zur Orientierung Kapitel 2 zu lesen» (S. 7). Kapitel 2 bietet einen «roten Faden durch die ausgewählten Schriften».

Die Gefahr, dass hier Spezialisten für andere Spezialisten schreiben, haben die Herausgeber des Buches natürlich gesehen und auf modellhafte Weise harauf reagiert. Sie haben drei ModellleserInnen ausgewählt und ihnen vorab alle Beiträge zum Problesen gegeben. Diese drei – Marie und Tabitha sind, wie es im Vorwort heisst, im Schulalter, Paul ist im Seniorenalter – verkörpern die weite Zielgruppe an die sich das Buch richtet: «Menschen aller Altersgruppen, die sich für die Geschichte der Bibel oder des Schreibens interessieren» (S. 7). Dabei sind Schülerinnen und Schüler aller weiterführenden Schulen sowie deren Lehrerinnen und Lehrer besonders im Blick. Eine Didaktikmappe zum Herunterladen für den Einsatz im Schulkontext ergänzt diese Ausrichtung.
Aber nicht nur die ModellleserInnen sind wichtig, sondern auch die vorher vereinbarte Bereitschaft der AutorInnen dazu, dass ihre Beiträge umformuliert werden, wenn die ModellleserInnen Verständnisschwierigkeiten zeigten. Diese AutorInnen, ausgewiesene Fachleute auf ihrem Gebiet, seien darum hier namentlich genannt: Othmar Keel (Altes Testament), Manfried Dietrich (Ugaritisch), Ahmed Ünal (Hethitisch und Luwisch), Josef Oesch (Altes Testament), Farida Stickel (Arabisch), Gian-Pietro Basello (Elamisch), Frederik Rogner (Ägyptisch), Gregor Emmenegger (Koptisch).

Für biblisch Interessierte von besonderem Interesse dürften die Kapitel 1 und 7 sein. Kapitel 1 führt von der Entstehung der ersten Schriftsysteme in die Bibel, die weniger ein Buch als eine Bibliothek ist, geht der theologischen Bedeutung des Ausdruck «Schriften» – im Plural! – nach und reflektiert schliesslich die Tora als das Ziel der Schriften und den Umgang mit der Heiligen Schrift im Alten Orient und dann in Judentum, Christentum und Islam.

Das hier vorgestellte Buch ist eine Begleitpublikation zur gleichnamigen Ausstellung im Bibel+Orient-Museum in Freiburg (CH), die noch bis 1.12.2013 geöffnet ist. Die Ausstellung selbst wird begleitet durch weitere Veranstaltungen, etwa die Ausstellung einer vollständig ausgerollten, 30m langen Torarolle im Gutenbergmuseum Freiburg vom 22.8. bis 1.12. sowie durch ein Kunstprojekt der Künstlerin, Zeichen- und Werklehrerin Nika Spalinger in der zweiten Jahrshälfte unter dem Titel «Metamorphosen», bei dem ebenfalls Schülerinnen und Schüler beteiligt sind.


Peter Zürn

Es lohnt sich also sehr, nicht nur die Bücher zu kaufen und zu lesen, sondern auch nach Freiburg bzw. St. Gallen zu fahren und die Ausstellungen und die Begleitveranstaltungen anzuschauen. Wenn Sie da nicht alleine tun wollen, laden wir Sie herzlich ein, es mit uns gemeinsam zu tun.
Unter dem Titel «SKB unterwegs» führt das Schweizerische Katholische Bibelwerk regelmässig Reisen und Ausflüge zu Ausstellungen, Veranstaltungen und Orten mit biblischem Bezug durch. Eingeladen sind alle Interessierten, besonders natürlich alle, die sich im Bibelwerk engagieren. Wenn Menschen mit ähnlichen Interessen und verschiedenen Kompetenzen zusammen etwas anschauen und erleben, werden sie sich gegenseitig bereichern.

Wir laden Sie herzlich ein mit uns nach Freiburg (CH) zu reisen, eine Führung durch die Ausstellung zu geniessen und miteinander ins Gespräch zu kommen:

Donnerstag, 13. Juni 14.00-16.00 Uhr im Bibel+Orient-Museum, Universität Freiburg

Miséricorde, Avenue de l»«Europe 20, CH-1700 Freiburg.

Die Führung werden Hans Ulrich Steymans oder Florian Lipke leiten, die Begleitung von Seiten des Bibelwerks liegt in Händen von Detlef Hecking.

Wir bitten um eine Anmeldung bis 6.6. unter info@bibelwerk.ch oder 044 205 99 60.

Die Kosten der Führung werden auf die Teilnehmenden umgelegt. Den genauen Betrag erfahren Sie auf Anfrage.

 

Auch zur Ausstellung «Im Anfang war das Wort. Die Bibel im Kloster Sankt Gallen» bieten wir eine Reise an: SKB unterwegs am

Freitag, 21. Juni 13.00- ca. 15.00 Uhr

Führung durch eine/n Mitarbeiter/in der Stiftsbibliothek

Begleitung durch Peter Zürn

Dauer der Ausstellung ist 1 Stunde. Anschliessend ist Gelegenheit zum Austausch bei einem Kaffee oder Tee.

Kosten: Reise auf eigene Kosten

Eintritt bei 10 Personen CHF 10.00 (bei weniger Personen CHF 12)
Kosten für Führung CHF 13

Kaffe/Tee auf Kosten des Bibelwerks.

Anmeldung: Bis14.6. an: info@bibelwerk.ch

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