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Georg Steins, Egbert Ballhorn, Licht-Wasser-Leben. Die biblischen Lesungen in der Osternacht   

Buch des Monats März 2010

Das kleine und gut lesbare Buch von Georg Steins und Egbert Ballhorn wendet sich in erster Linie an die Verantwortlichen für die römisch-katholische Liturgie in der Osternacht, seien es Einzelne oder Gruppen. Es stellt die biblischen Lesungen dieser Liturgie ins Zentrum. Darüberhinaus bietet es aber auch Impulse für die Vorbereitung von Gemeinden auf das Osterfest und Anregungen für Predigten in der Osterzeit. Schliesslich verstehen die Autoren ihr Buch als «bibeltheologisches und liturgisches Lesebuch für alle, die die Osterbotschaft, das Zentrum des christlichen Glaubens, tiefer verstehen wollen, die Wege zu einem christlichen Verständnis des Alten Testamentes suchen [und] die die grossartigen Lesungen der Osternacht besser verstehen wollen» (S. 11).
In zwei grundlegenden Beiträgen führen Ballhorn und Steins in die biblischen Symbole in der Osternacht sowie in die Schlüsselrolle des Alten Testamentes in der Ostervigil ein. Anschliessend stellt Georg Steins eine Neuübersetzung der sieben alttestamentlichen Lesungen vor und legt sie einzeln aus. Egbert Ballhorn bietet das Gleiche für die neutestamentliche Lesung, das österliche Hallelujah und die Evangelien (in den verschiedenen Lesejahren). Heinz-Hermann Bongartz steuert eine Predigt in der Osternacht bei. Dieser Teil bildet mit 75 Seiten den Schwerpunkt des Buches. Daran schliessen sich kurzgefasste «Hörhilfen» für die Feier der Osternacht an: Impulse für die Gestaltung der Feier (Ballhorn), eine Gesamteinführung in den Wortgottesdienst (Klemens Teichert), Kurzeinführungen für die Lesungen (Ballhorn), Einleitungen zu den alttestamentlichen Lesungen (Bongarzt) und Einleitungen zu allen Lesungen (Steins). All die Einführungstexte sind direkt für die Liturgie verwendbar. Das Buch wird abgeschlossen durch zwei meditative Texte (zum Karsamstag und zum Ostermontag) von Georg Steins, sowie einen Beitrag von Georg Steins und Marianne Heimbach-Steins über Liturgie und Diakonie. Eine kleine, an Praxisnähe orientierte Literaturliste, rundet das Buch ab.

Das Buch trägt klar die Handschrift von Georg Steins und Egbert Ballhorn. Dr. Steins ist Professor für Exegese des Alten Testaments an der Universität Osnabrück. Dr. Ballhorn ist Dozent für Biblische Theologie im Bistum Hildesheim und Privatdozent für Altes Testament an der Universität Bonn. Beider Namen sind verbunden mit dem Ansatz der biblischen bzw.kanonischen Bibelauslegung. Die weiteren Autoren und die Autorin zeigen auf, dass das Buch in ein grösseres kirchliches, theologisches und pastorales Netzwerk eingebunden ist. Heinz-Günter Bongarzt ist Leiter der Hauptabteilung Personal/Seelsorge im Generalvikariat des Bistums Hildesheim, Marianne Heimbach-Steins ist Direktorin des Instituts für Christliche Sozialwissenschaften an der Universität München und Klemens Teichert ist Pastor und Leiter der Oase Heilig-Kreuz in Hildesheim. Die Autoren betonen denn auch:
«Dieses Osterbuch ist ein Buch aus der Praxis und für die Praxis» (S. 151). Die einzelnen Beiträge sind für unterschiedliche Gelegenheiten verfasst worden und werden hier erstmals in einem Gesamtzusammenhang vorgelegt.
Erklärtes Ziel des Buches ist die «Wiedergewinnung [der Feier der Osternacht] als Vigilfeier und als Höhepunkt des Kirchenjahres». Neben der biblischen (Altes und Neues Testament in ein Zusammenspiel bringenden) Grundlegung geschieht dies durch die Betonung der Tauftheologie als «Schlüssel zur Feier der Osternacht» (10).
Vier Stichworte zu diesem Buch: es kommt zum richtigen Zeitpunkt, ist notwendig, hilfreich und leidenschaftlich. Im letzten Punkt liegt auch eine seiner Schwächen.

Das Buch ist ganz neu erschienen. Der Zeitpunkt, 6 Wochen vor Ostern, ist ideal für die Vorbereitung der Osternacht. Deswegen besprechen wir es auch als Buch des Monats März 2010.
Das Buch ist notwendig, durchaus im Sinne von not-wendend, wenn es etwa klar Position bezieht gegen die oftmals praktizierte Trennung von Wortgottesdienst und Lichtfeier. Dabei werden beispielsweise die alttestamentlichen Texte in der noch dunklen Kirche gelesen, das Einschalten des Lichtes markiert dann gewissermassen einen Umschlagpunkt in der Heiligen Nacht, ab dem von Auferstehung gesprochen werden kann. Das Alte Testament wird so zu einem Vorbereitungstext des Evangeliums degradiert. Dem stellen Steins und Ballhorn in aller Klarheit entgegen: Jede Lesung der Osternachtfeier ist auf eigene Weise selbst schon Osterevangelium.
Das Buch ist überaus hilfreich, nicht nur durch seine vielfältigen praxisbezogenen Einführungstexte, sondern vor allem durch das Herausarbeiten des inneren Zusammenhangs und roten Fadens durch die verschiedenen biblischen Lesungen und ihre Zusammenfügung in der Liturgie. «Die Lesungen, deren jede auf je eigene Weise das Geheimnis der Osternacht bedenkt, deutet und preist, bilden also eine Reihe von kleinen Gottesdiensten, die sich zu einer nächtlichen Vigilfeier untrennbar zusammenfügen» (S. 17).
Das Buch ist mit Leidenschaft geschrieben. Es wirbt vehement für die Feier der Osternacht in der überlieferten Form mit allen biblischen Lesungen. In dieser Stärke liegt allerdings auch eine seiner Schwächen. Für Abweichungen von der traditionellen Form der Feier und für die dahinter stehenden Erfahrungen oder konkreten Gemeindesituationen, findet sich in diesem Buch kein Verständnis. Spielraum für die Gestaltung der Feier tut sich kaum auf. So heisst es denn auch auf S. 111 im Kapitel «Impulse für die Gestaltung der Feier» (die 2,5 Seiten umfassen): «Die Osternacht gestalten? – Natürlich muss die Osternacht nicht eigens gestaltet werden, weil die Liturgie selbst die Gestaltung ist. Aus der Liturgie muss nichts «gemacht» werden». Dieses grosse Vertrauen in die Liturgie hat etwas sehr Einladendes, Ermutigendes und Entlastendes und widerspricht doch zugleich vielen Erfahrungen. Hier sehe ich eine Problemanzeige, mit der das Buch mich weitgehend allein lässt. Es öffnet allerdings – nur ein paar Zeilen weiter – eine Perspektive: «Die intensive Feier der Osternacht ist nicht der Ausgangspunkt, sondern überhaupt erst das Ziel gemeindlicher Existenz. Ostern zu feiern, muss man regelrecht lernen» (S. 111). Zu diesem Lernweg einzuladen, diesen Lernweg zu begleiten, das erachte ich als grosse Aufgabe und Herausforderung für die Pastoral. Das Buch «Licht-Wasser-Leben» ist ein überaus wertvoller Ausrüstunggegenstand für diesen Weg, dessen Verlauf uns hoffentlich alle noch überraschen wird.

Peter Zürn

Georg Steins, Egbert Ballhorn, Licht-Wasser-Leben. Die biblischen Lesungen in der Osternacht. Mit Beiträgen von Heinz-Günter Bongartz, Marianne Heimbach-Steins, Klemens Teichert, Verlag Friedrich Pustet Regensburg 2010, 152 S. kart. CHF 26.50, Euro 14.90, ISBN 978-3-7917-2258-0.

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