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Elisabeth Schüssler Fiorenza, WeisheitsWege. Eine Einführung in feministische Bibelinterpretation   

Buch des Monats Mai 2005

Elisabeth Schüssler Fiorenza, WeisheitsWege. Eine Einführung in feministische Bibelinterpretation, aus dem Englischen übersetzt von Regula Grünenfelder, Verlag Katholisches Bibelwerk Stuttgart 2005, 324 S., Kt., 24,90 € [D] / 43,70 sFr; ISBN 3-460-25275-8

Feministische theologische Literatur hat zur Zeit nicht gerade Hochkonjunktur. Gründe dafür dürften sein, dass auch feministische Theologinnen inzwischen ihr eigenes hoch spezialisiertes Vokabular entwickelt haben, der Buchmarkt unüberschaubar geworden und es vielen einfach zu mühsam geworden ist, sich in diese «Spezialliteratur» einzulesen geschweige denn auf dem Laufenden zu bleiben. Da ist Schüssler Fiorenzas Buch «WeisheitsWege» gerade zur rechten Zeit auf dem Markt erschienen. Diese «Einführung in feministische Bibelinterpretation» liegt in den U.S.A. bereits seit 4 Jahren vor. Regula Grünenfelder, die das Buch in kongenialer Weise übersetzt hat, und dem Verlag Katholisches Bibelwerk ist es nun zu danken, dass sich auch deutschsprachige LeserInnen mit den grundlegenden Einsichten der weltweit angesehenen feministischen Exegetin vertraut machen können. Schüssler Fiorenza lädt in diesem Buch ein, auf «WeisheitsWegen» zu gehen und den «Tanzkreis» der Interpretation zu bilden, nicht allein, sondern in radikal-demokratischen Gruppen. Der entscheidende Punkt, damit es überhaupt zu der gewünschten existentiellen Begegnung mit der Bibel kommen kann, ist nach Meinung der Autorin, eine radikal befreiende Perspektive einzunehmen. Für mich als männlichen Leser war interessant, dass in diesem feministischen Kontext der Begriff «Frauen» inklusiv für alle Menschen stehen kann und eben nicht nur Frauen meint. Der Begriff «Frauen» steht stellvertretend für alle, die in Herrschaftsstrukturen eine sekundäre, benachteiligte oder unterdrückte Rolle einnehmen. Solchen Menschen – und das können auch Männer sein – ist bei der Textbetrachtung und in der daraus resultierenden Praxis Vorrang einzuräumen. Obwohl das Buch eine «Einführung in feministische Bibelinterpretation» geben will, ist es nicht gerade einfach zu lesen. Es verlangt den LeserInnen einiges ab und man merkt, dass es der Autorin fast wie eine «Summa» geraten ist. Aber gerade das macht es auch lesenswert. 

Dieter Bauer

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