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Diakone, Witwen, Presbyter. Ämter in der frühen Kirche   
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Welt und Umwelt der Bibel 97, 3/2020

Zürich/Stuttgart, 25.8.2020 Kirchliche Rollen, Ämter und Gemeindestrukturen sind im Gespräch, einmal mehr. Seit Jahrzehnten werden weltweit innovative pfarreiliche Leitungsmodelle entwickelt, um veränderten Realitäten Rechnung zu tragen – doch offizielle Dokumente der römisch-katholischen Weltkirche schreiben immer noch dagegen an.

Dass es auch ganz anders ginge, zeigt das Heft «Diakone, Witwen, Presbyter. Ämter in der frühen Kirche» anschaulich auf. Kirchliche Leitungsstrukturen im 1./2. Jh. orientierten sich variantenreich an der jeweiligen Umwelt: «Presbyter» (Ältestenräte), die der Evangelist Lukas erwähnt, waren Menschen aus ihrem Alltag in Städten und Synagogen vertraut. Paulus setzt dagegen auf die charistmatisch begabte Gemeindeversammlung aller Getauften («Ekklesia») – wie in einer Volksversammlung freier Bürger. Die Pastoralbriefe und auch die Ignatiusbriefe aus dem 2. Jh. favorisieren wiederum einen «Aufseher» («Episkopos»), von dem das Wort «Bischof» abgeleitet ist: ein monarchisches Amt, das sich an den römischen «pater familias» (Familienvater) anlehnt, aber als öffentliches Leitungsmodell unüblich war.

Zahlreiche weitere Funktionen ergänzen das bunte Bild der frühen Kirche: Witwen und Jungfrauen, Diakoninnen und Diakone nehmen vielfältige Rollen zwischen Gebet und Diakonie, Katechese und Gemeindeleitung wahr. Ab dem 2./3. Jh. setzt auch die Professionalisierung kirchlicher Ämter ein: Der Beitrag «Vom Freizeitkleriker zum hauptamtlichen Gemeindeleiter» zeichnet diese – nicht nur positive! – Entwicklung anschaulich nach. Die Evangelien hingegen warnten bereits früh vor Hierarchien.

«Diakone, Witwen, Presbyter» lädt auf eine spannende, reich bebilderte Entdeckungsreise in die frühe Kirche ein und zeigt, was auch heute alles möglich wäre – wenn die flexible, situationsgerechte pastorale Praxis von damals auch in der heutigen Kirche mehr Gewicht bekommen würde.

 

Aus dem aktuellen Heft

 

Martin Ebner
Alles muss seine (römische) Ordnung haben?
Aufgabenverteilung und Leitungsstrukturen in ­frühchristlichen Gemeinden

Martin Ebner
Hausgemeinden – kein Phantom 

Hartmut Leppin
Zwischen Abgrenzung und Angleichung 
Der Einfluss der staatlichen und religiösen Organisationen auf die christlichen Gemeinden

Grafische Übersicht
Gemeindeleitung in den ersten zwei Jahrhunderten 

Andreas Müller 
Aus Gemeindeleitern werden Diener des Bischofs 
Diakone in der frühen Christenheit

Christiane Zimmermann
Selbstbewusst und engagiert für die Gemeinde 
Wtwen und Jungfrauen

Barbara Leicht
Wer hat das Sagen? 
Streit ums Amt in Korinth

Andreas Weckwerth
Vom Presbyter zum Priester
Die Entwicklung des Presbyteramtes in der Alten Kirche 

Georg Schöllgen 
Vom Freizeitkleriker zum hauptamtlichen Gemeindeleiter
Die Professionalisierung des Klerus – Ursachen und Folgen

Christian Hornung
Wider das Luxusleben der Kleriker
Askese – ein Leitideal der Spätantike

Ernst Dassmann
«Ihr sollt euch nicht Vater nennen lassen» 
Das Amt und die Weisung Jesu

Interview
«Immer neue Dienste vorstellbar» 
Ein Gespräch mit Dorothea Sattler 

 

 

 

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Samstag, 8. August 2020, 22:38