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Augustus. Ein Spiel zum Römischen Reich von Paolo Mori   

Buch des Monats ist dieses Mal ein Spiel des Monats

 

Unser «Buch des Monats» ist dieses Mal ein Spiel. Es trägt den Titel «Augustus» und spielt zur Zeit des Römischen Reiches. Ziel ist es, durch geschickten Einsatz von Legionen Einfluss auf Senatoren, Provinzen und Rohstoffe zu bekommen und so zum Konsul zu werden.

Das klingt nach kompliziertem Strategiespiel. «Augustus» ist jedoch eine Weiterentwicklung des Spiele-Klassikers «Bingo» (in der Schweiz auch «Lotto» genannt), bei dem Zufallszahlen gezogen und von den Mitspielenden auf einer persönlichen Zahlentafel markiert werden, bis die/der erste Spieler/in seine Zahlen vollständig abgedeckt hat und «Bingo»/»Lotto» rufen kann. Gegenüber Bingo/Lotto ist «Augustus» jedoch um zahlreiche taktische Elemente erweitert, die es zu einer interessanten Mischung aus Zufalls- und Strategiespiel machen.

Zufällig gezogen werden bei «Augustus» keine Zahlen, sondern Legionsgattungen (Schwert, Schild, Katapult usw.). Die entsprechenden Felder können dann auf den persönlichen «Zielkarten» besetzt werden, die jede/r Spieler/in vor sich liegen hat, und die den Einfluss auf eine Provinz oder einen Senator symbolisieren. Ein Punktesystem und diverse Zusatzaktionen machen das Ganze zu einem kurzweiligen, abwechslungsreichen und trotzdem relativ einfachen Familienspiel für 2-6 Personen ab 8 Jahren. Dafür hat das Spiel des italienischen Spieleerfinders Paolo Mori als eines von nur drei Spielen die Nomination zum «Spiel des Jahres 2013» geschafft.

 

Aus bibelpastoral-religionspädagogischer Perspektive kann «Augustus» zur Vermittlung von Basiskenntnissen über das historisch-politische Umfeld des Neuen Testamentes beitragen. Jede einzelne Provinz des römischen Reiches ist durch eine sog. «Zielkarte» repräsentiert, die einen rudimentären, historisch halbwegs zuverlässigen Einblick in die Rohstoffe und Handelsgüter der jeweiligen Provinz enthält. Dabei werden die Provinzen auf dem historischen Stand der grössten Ausdehnung des Reiches im 2./3. Jh. n. Chr. angezeigt, also gerade nicht zur Zeit des namengebenden ersten Kaiser des römischen Reiches. Freilich: Soziale Schichten oder Religionen, differenziertere Berufe, Jahreszahlen oder gar konkrete historisch-politische Konflikte und Entwicklungslinien – das alles kommt im Spiel nicht vor. Stattdessen wird auf die Elite fokussiert, die sich durch geschickten Einsatz ihrer Machtmittel ihre Karriere sichert. Benannt oder gar reflektiert wird das alles nicht. «Augustus» ist kein «Bildungsspiel, sondern eben eine Weiterentwicklung von Bingo/Lotto. Doch zur Auflockerung einer bibelpastoralen Veranstaltung, von Religionsunterricht, als Freiarbeits-Posten o.ä. taugt das Spiel allemal. Werden ergänzend zum Spiel noch gezielte bibelpastorale Impulse gesetzt – z.B. zu Internet-Recherchen zu den auf den «Zielkarten» genannten Provinzen angeregt –, kann das Spiel rasch zu einem interessanten Ausgangspunkt für spielerische Recherchen zum Umfeld des Neuen Testaments werden. Kombiniert mit der Tatsache, dass sich der Todestag des Augustus am 19. August 2014 zum 2000. Mal jährt, ist es für uns Grund genug, es als «Buch des Monats» zu bewerben.

Detlef Hecking

 

Ein Kurzvideo der Spiel-des-Jahres-Jury zu Augustus ist unter http://www.youtube.com/watch?v=Fn10Zv-xBF8 abrufbar. Eine private Video-Review des Spielexperten Martin Klein mit ausführlicher Bedienungsanleitung ist unter http://www.youtube.com/watch?v=4SAaLxZKSw8 zu finden (SpielErLeben – Folge 40). Diese Videos sind nicht zuletzt deshalb sehr hilfreich, weil die offizielle Bedienungsanleitung die Sache viel komplizierter macht als nötig.

 

Paolo Mori, Augustus. Ein Spiel zum Römischen Reich, Hurrican-Verlag 2013. Nominiert zum Spiel des Jahres 2013, Euro 24,99 CHF 43,50

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