Christliche und jüdische Schriftenauslegungen

Bibel und Kirche 4/2019 (CHF 11.-)

Zürich/Stuttgart, 3. Dezember 2019. – Die Ergebnisse des jüdisch-christlichen Dialogs im Blick auf den Gebrauch und die Auslegung der heiligen Schriften untersucht das neuste Heft der Zeitschrift Bibel und Kirche. Dabei geht es sowohl um einen Überblick über das, was sich verändert hat, als auch darum, noch ungelöste Aufgaben zu benennen.

Die Anfänge des Christentums liegen im Judentum – das gehört zum Allgemeinwissen. Ab wann aber gibt es das Christentum in Abgrenzung zum Judentum? Und wer hat sich gegen wen abgegrenzt? Die Beantwortung dieser Fragen hängt, so Klaus Wengst, pensionierter Professor für Neues Testament an der Ruhr-Universität Bochum, vom Verständnis jüdischer Lehrdebatten und ihrer Streitkultur ab. «Jemanden für den Messias zu halten, war und ist im Judentum kein Problem, das heftigste Auseinandersetzungen und schärfste Distanzierungen hervorrufen musste», schreibt er in seinem Beitrag.

Dass das Judentum in seiner Lehrtradition eine sehr lebendige Aktualisierung der Schrift betreibt, macht die Schweizer Judaistin Annette M. Boeckler vom Zürcher Institut für interreligiösen Dialog in zwei Beiträgen deutlich. Zum einen beschreibt sie die Zeit des zweiten Tempels, die bis ins Jahr 70 n.C. reicht, als eine Blütezeit der Textinterpretation. Da die ältesten rabbinischen Schriften erst um das Jahr 200 zu datieren seien, stelle somit das Neue Testament eine wichtige Quelle vorrabbinischer Auslegungsmethoden dar. Zum anderen gibt sie am Beispiel des Hochmittelalters einen Einblick in die reichhaltige jüdische Schriftauslegung.

Wie sich die Voraussetzungen für das Verstehen neutestamentlicher Texte aufgrund des jüdisch-christlichen Dialogs der vergangenen Jahrzehnte grundlegend geändert haben, beschreibt Christian Rutishauser SJ, Provinzial der Schweizer Jesuiten. Dass sich diese Veränderung aber noch nicht in allen Bereichen niedergeschlagen hat, mahnt Maria Neubrand, Professorin für Neues Testament an der Theologischen Fakultät Paderborn, an. Sie nennt Beispiele aus Lehrbüchern und Bibelübersetzung, in denen die antijüdische Auslegungstradition der christlichen Theologie noch aufscheint.

Auch wenn man die Gemeinsamkeiten zuerst betonen muss, ist es nach Ansicht von Günter Stemberger, emeritierter Professor für Judaistik an der Universität Wien, notwendig, die Unterschiede in den Texttraditionen von Juden und Christen zu beachten. Die Einflüsse der alten Bibelübersetzungen Septuaginta und Vulgata spielten dabei ebenso eine Rolle wie die unterschiedlichen Lesetraditionen in den Gottesdiensten. Detailliert vorgestellte Literaturhinweise zum Schwerpunktthema runden das Themenheft zur Schriftauslegung ab, das von Detlef Hecking, Leiter der Bibelpastoralen Arbeitsstelle des Schweizerischen Katholischen Bibelwerks, redaktionell betreut wurde.

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«Bibel und Kirche» ist hier erhältlich:

Bibelpastorale Abeitsstelle SKB, Bederstrasse 76, 8002 Zürich, Tel. 044 205 99 60
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Abonnement (4 Ausgaben pro Jahr): CHF 45.– , für Studierende CHF 35.–